Hofübergabe mit Herz und Haltung. Mediation bei Übergabekonflikten in Familienbetrieben
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Warum landwirtschaftliche Familienbetriebe mehr als einen Vertrag brauchen
Die Übergabe eines landwirtschaftlichen Familienbetriebs ist kein gewöhnlicher Unternehmenswechsel.
Sie ist ein Generationenübergang.
Ein Rollenwechsel.
Ein emotionaler Einschnitt.
Und sie betrifft weit mehr als Eigentumsfragen.
Ein Hof ist Lebenswerk. Er ist gewachsene Struktur, Heimat, Geschichte. Wer übergibt, verabschiedet sich nicht nur aus einer Funktion – sondern aus einer Identität. Wer übernimmt, tritt nicht nur eine wirtschaftliche Verantwortung an, sondern auch in eine gewachsene Familienordnung.
Genau deshalb reicht ein Vertrag allein nicht aus.
Der Hof als Identität – nicht nur als Betrieb
In der Landwirtschaft sind Betrieb und Familie eng miteinander verwoben. Wohnort, Arbeitsplatz und familiäre Beziehungen finden auf demselben Gelände statt. Entscheidungen wirken wirtschaftlich – und zugleich persönlich.
Viele Übergebende haben ihr gesamtes Leben in den Hof investiert. Verzicht, Aufbau, Modernisierung, Durchhalten in schwierigen Zeiten. Der Betrieb steht nicht nur für Einkommen, sondern für Würde und Selbstverständnis.
Für die nachfolgende Generation ist die Situation anders. Sie wächst mit neuen Anforderungen auf: Digitalisierung, wirtschaftlicher Druck, gesellschaftliche Erwartungen, Nachhaltigkeitsfragen. Häufig bringt sie neue Ideen mit – und den Wunsch, eigene Akzente zu setzen.
Hier entsteht ein Spannungsfeld:
* Bewahren oder verändern?
* Weiterführen oder neu ausrichten?
* Tradition schützen oder Zukunft sichern?
Diese Fragen sind selten rein sachlich.
Die Realität der Hofübergaben
Die Realität der Hofübergaben
In den kommenden Jahren steht eine große Zahl landwirtschaftlicher Betriebe vor der Übergabe. Gleichzeitig sinkt die Anzahl der Höfe kontinuierlich. Nicht jede Familie findet eine Nachfolge. Nicht jede Nachfolge gelingt.
Wo eine Übernahme geplant ist, zeigen sich typische Konfliktfelder:
Unklare Erwartungen zwischen den Generationen
Fehlende Absprachen zur tatsächlichen Entscheidungsbefugnis
Unausgesprochene finanzielle Sorgen
Ungleichgewichte zwischen Geschwistern
Unterschiedliche Vorstellungen zur zukünftigen Ausrichtung
Oft wird die Übergabe formell geregelt – aber emotional nicht verarbeitet.
Das führt dazu, dass alte Rollen weiterbestehen:
Die Eltern mischen sich weiterhin ein.
Die Nachfolge fühlt sich kontrolliert.
Geschwister empfinden Ungleichbehandlung.
Der Konflikt bleibt unter der Oberfläche – und wirkt im Alltag weiter.
Typische Sätze – typische Dynamiken
In der Praxis höre ich häufig Aussagen wie:
„Ich habe mein Leben für diesen Hof gegeben. Jetzt soll alles anders werden?“
„Ich übernehme hier Verantwortung – aber entscheiden darf ich nicht wirklich.“
„Warum bekommt mein Bruder den Hof – und ich nicht?“
„Wenn du alles modernisieren willst, erkenne ich den Betrieb nicht mehr wieder.“
Diese Sätze zeigen, worum es tatsächlich geht:
Anerkennung.
Sicherheit.
Gerechtigkeit.
Selbstbestimmung.
Wenn diese Bedürfnisse nicht angesprochen werden, entstehen langfristige Spannungen – nicht nur wirtschaftlich, sondern familiär.
Warum rechtliche Klarheit allein nicht genügt
Natürlich ist eine rechtlich saubere Gestaltung der Übergabe unerlässlich. Eigentumsübertragung, Versorgungsansprüche, Wohnrechte, Haftungsfragen – all das braucht professionelle Beratung.
Doch Verträge regeln Strukturen.
Sie regeln keine Beziehungen.
Ein Vertrag beantwortet nicht:
Wie viel Mitspracherecht bleibt bei den Eltern?
Wie lange bleibt die Altgeneration im Betrieb aktiv?
Wie werden Konflikte künftig angesprochen?
Was bedeutet Gerechtigkeit zwischen Geschwistern?
Wenn diese Fragen ungeklärt bleiben, entstehen Reibungen, die sich später kaum noch sachlich lösen lassen.
Mediation als strukturierter Gesprächsraum
Hier setzt Mediation an.
Mediation bedeutet nicht, dass eine Familie zerstritten sein muss. Sie bietet einen strukturierten Rahmen für Gespräche, die ohnehin geführt werden müssten – nur geordnet, moderiert und mit klaren Regeln.
Alle Beteiligten kommen an einen Tisch:
Übergebende.
Übernehmende.
Geschwister.
Gegebenenfalls Partnerinnen und Partner.
Ziel ist nicht, jemanden zu überzeugen.
Ziel ist, gegenseitiges Verstehen zu ermöglichen und tragfähige Vereinbarungen zu entwickeln.
Typische Themen in der Mediation sind:
Rollenklärung nach der Übergabe
Entscheidungsbefugnisse
wirtschaftliche Transparenz
Anerkennung der Lebensleistung
Perspektiven für nicht übernehmende Geschwister
Zukunftsvision für den Betrieb
Vertraulichkeit als Grundlage
Gerade im ländlichen Raum ist Vertrauen besonders sensibel. Man kennt sich. Man begegnet sich täglich. Gerüchte verbreiten sich schnell.
Deshalb ist Vertraulichkeit ein zentraler Bestandteil der Mediation. Gespräche bleiben im geschützten Rahmen. Es entsteht ein Raum, in dem auch sensible Themen offen angesprochen werden können – ohne Gesichtsverlust und ohne öffentliche Wirkung.
Erst in dieser Sicherheit wird ehrliche Kommunikation möglich.
den Fortbestand des Betriebs
die Beziehung zwischen den Generationen
die Geschwisterdynamik
die Motivation der nächsten Generation
die Zukunftssicherheit des Unternehmens
Misslingt die Übergabe, entstehen oft langfristige Brüche. Nicht nur der Betrieb leidet – sondern auch die Familie.
Gelingt sie hingegen, entsteht etwas anderes:
Verantwortung wird bewusst übertragen.
Respekt wird ausgesprochen.
Zukunft wird gemeinsam gestaltet.
Fazit: Übergabe als bewusster Prozess
Eine gute Hofübergabe ist kein Ereignis an einem einzigen Tag. Sie ist ein Prozess.
Je früher dieser Prozess beginnt, desto größer ist die Chance, Spannungen konstruktiv zu bearbeiten.
Mediation ist kein Zeichen von Schwäche oder Scheitern. Sie ist Ausdruck von Verantwortung.
Für den Betrieb.
Für die Familie.
Für die nächste Generation.
Denn ein Hof lebt nicht nur von Maschinen und Flächen –
sondern von Vertrauen, Klarheit und gegenseitigem Respekt.
Hofübergabe – wenn Generationen Verantwortung neu ordnen
In landwirtschaftlichen Familienbetrieben ist die Übergabe kein rein wirtschaftlicher Vorgang. Sie berührt Identität, Lebensleistung und Zukunftsperspektiven zugleich.
Wer übergibt, gibt nicht nur Eigentum weiter – sondern Verantwortung, Einfluss und ein Stück Selbstverständnis. Wer übernimmt, übernimmt nicht nur einen Betrieb – sondern Erwartungen, Geschichte und familiäre Dynamiken.
Hofübergaben scheitern selten am Vertrag.
Sie scheitern an Gesprächen, die nicht geführt werden –
an Rollen, die unklar bleiben,
und an Erwartungen, die nie ausgesprochen wurden.
Mediation schafft einen geschützten Raum,
damit Übergabe zur Brücke wird –
nicht zum Bruch zwischen Generationen.