Positive Absicht im Alltag – ein gelassenerer Blick auf Verhalten
Die positive Absicht: Warum Menschen oft besser handeln, als es wirkt
Jeder Mensch handelt im Alltag mit irgendeiner Form von „guter Absicht“ – auch wenn das Verhalten von außen nervig, unverständlich oder völlig unpassend wirkt.
Alltagstauglich wird diese Haltung dann, wenn sie hilft, weniger vorschnell zu urteilen und entspannter mit sich selbst und anderen umzugehen.
Jemand sagt kurzfristig ein Treffen ab – vielleicht nicht aus Desinteresse, sondern weil er erschöpft ist und Kraft braucht.
Ein Kind trotzt, weil es sich überfordert fühlt und eigentlich Orientierung oder Nähe sucht.
Wenn wir diese Perspektive einnehmen, verändert sich die innere Haltung: Situationen wirken weniger persönlich und oft auch weniger konfliktgeladen.
Der innere Schweinehund – ein verkannter Schutzmechanismus
Der berühmte innere Schweinehund ist ein gutes Beispiel.
Psychologisch schützt er häufig vor Überforderung, Anstrengung oder der Angst zu scheitern – auch wenn er uns damit vom Fitnessstudio oder einer wichtigen Aufgabe abhält.
Hilfreiche Fragen in solchen Momenten:
Wovor will mich mein innerer Schweinehund gerade schützen?
Was ist mir gerade wirklich wichtig – Erholung, Sicherheit, Erfolg, Nähe, Spaß?
So wird aus vermeintlicher „Faulheit“ ein sichtbares Bedürfnis: vielleicht Ruhe nach einem anstrengenden Tag oder der Wunsch nach Zeit mit nahestehenden Menschen.
Mit anderen gelassener umgehen
Übertragen auf andere Menschen hilft die Unterstellung einer positiven Absicht, weniger gereizt und weniger angriffslustig zu reagieren.
Statt automatisch zu denken: „Der macht das extra!“ kann die innere Frage lauten: „Was könnte der positive Grund dahinter sein – auch wenn mir das Verhalten nicht gefällt?“
Hilfreiche Fragen im Alltag:
> Was könnte der oder die andere sich damit Gutes tun wollen?
> Was bräuchte ich an seiner oder ihrer Stelle?
Allein diese innere Pause nimmt oft schon Druck aus der Situation und öffnet die Tür für ein ruhigeres, konstruktives Gespräch.
Nachfragen statt unterstellen
Statt im Kopf Geschichten zu entwickeln, hilft es, freundlich nachzufragen.
Beispielsweise mit:
So klären Sie:
was die andere Person wirklich wollte
und was Sie selbst brauchen, damit es für Sie gut ist
Das bedeutet nicht, alles zu schlucken oder immer nett zu sein. Es bedeutet vielmehr, bewusst zu entscheiden, wo Sie mitgehen – und wo Sie klare Grenzen setzen.
Freundlich – auch zu sich selbst
Die Idee der positiven Absicht lädt auch dazu ein, milder mit sich selbst umzugehen. Wer versteht, dass selbst „ungünstige“ Strategien einmal eine Funktion hatten, findet leichter neue, passendere Wege, anstatt sich nur zu verurteilen.
Hilfreiche Reflexionsfragen:
Was wollte ich mir damit eigentlich Gutes tun?
Welche bessere Möglichkeit habe ich heute dafür?
Damit wird die Haltung ganz praktisch: Sie unterstützt uns dabei, Situationen gelassener anzugehen und klarer zu sehen, was eigentlich los ist.
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Kein Problem! Hier finden Sie eine kurze Audio-Zusammenfassung. So können Sie unsere Inhalte auch bequem beim Pendeln, Kochen oder Spazierengehen anhören.