Kleider machen Leute oder auch nicht

Authentisch sein und Kleider machen Leute oder machen Leute Kleider

Mittwoch, 22. Juli 2020

Wir neigen dazu, gut gekleideten Menschen mehr Beachtung zu schenken.

Woher kommt das? Hat das einfach etwas mit unserer Achtung, uns selbst gegenüber zu tun und dem Wunsch, uns "hübsch" zu machen. Auch das wäre Außenwirkung.

Auch umgekehrt wirkt Kleidung. Mitarbeiter werden viel zugänglicher sein, wenn der Chef kleidungstechnisch sich nicht zu stark abhebt.

Franziskas Sicht Storytelling

In meinem Kommunikationstrainingskurs in der Hochschule ist die Prüfung eine 55-60 minütige Präsentation über ein Thema, das man im Vorfeld zugelost bekommen hat. Als meine Kommilitoninnen und ich unsere Themen bekommen hatten, war uns sofort klar, dass wir uns für diese nicht nur thematisch sehr gut vorbereiten werden, sondern wir fingen auch schon an zu überlegen, was wir anziehen würden. Für uns war sofort klar, dass man sich für eine Präsentation in der Hochschule, die eine Prüfungsleistung ist, auch passend anzieht nach dem Motto „Kleider machen Leute.“

Shoppen für eine Prüfung

Ich bin sogar mit einer Kommilitonin extra shoppen gegangen (was natürlich ein ganz großes Opfer für mich war), um mit ihr ein passendes Outfit zu suchen. Ehrlich gesagt dachten wir, dass alle so denken würden.
Falsch gedacht…

Als die Wochen ins Land zogen und wir immer mehr Studenten aus den anderen Kursen gesehen haben, die in Kapuzenpullis oder Oversized-Strickshirts ihre Präsentationen hielten, begannen wir uns zu fragen, ob wir uns vielleicht zu viele Gedanken, um die äußere Erscheinung gemacht hatten. Ich bemerkte jedoch, dass mir Präsentationen von Referenten, die sich Gedanken über ihre Kleidung gemacht hatten, besser gefielen. Ein Kommilitone hat eine wirklich gute Präsentation gehalten. Seine Art die genannten Dinge zu erklären hatten etwas ganz besonderes. Zudem war er wahnsinnig entspannt und sehr gut vorbereitet. Ich konnte ihm ohne Probleme die 55 Minuten zuhören. Aber ich musste die ganze Zeit daran denken, dass sein T-Shirt zwei Nummern zu groß und zu leger ist. (Also vielleicht doch: Kleider machen Leute?)

Aber auch wenn er ein Hemd angehabt hätte, hätte er die gleiche Präsentation gehalten

Ist eine Präsentation automatisch besser, wenn sie von jemand gehalten wird, der anständig und adäquat gekleidet ist? Und was ist adäquate Kleidung?
Ich selber bin stark tätowiert (das ist zwar nicht direkt Kleidung aber es führt auf dasselbe hinaus) und zwar so, dass es schwierig wird alle Tattoos zu verdecken. Sehr viele mir nahestehende Leute haben mich im Vorfeld darauf Aufmerksam gemacht, dass es eventuell schwierig werden könnte einen anständigen Beruf zu finden. Bis jetzt haben sich meine Tattoos allerdings noch nie als Hindernis entpuppt. Ich habe bis heute nie verstanden, warum ich mit Tattoos weniger geeignet sein sollte einen gewissen Beruf auszuführen. Ich studiere BWL und davor habe ich Kulturwissenschaften studiert. Nur weil ich mir Farbe unter die Haut habe stechen lassen, habe ich doch nicht meine Intelligenz verloren.

Warum vertrauen wir jemandem, der einen Anzug trägt unser Geld eher an als jemandem, der anders gekleidet ist?

Deswegen habe ich auch nie verstanden, warum es so etwas wie einen Dresscode gibt. Warum vertrauen wir jemanden der einen Anzug trägt unser Geld eher an, als jemandem der in Jeans und T-Shirt gekleidet ist? Der gleiche Mensch geht abends nach Hause und zieht sich seinen schicken Anzug aus und eine Jogginghose an, hat aber doch genau die gleichen Fähigkeiten wie tagsüber bei der Arbeit. Der Mensch ändert sich doch nicht mit seiner Kleidung.

Warum also finde ich es selber so wichtig bei einer Präsentation gut angezogen zu sein?
Ich habe keine Ahnung. Ich weiß, dass Kleider keinen Menschen macht aber ich weiß auch, dass Kleidung jeden Mensch in seiner Rolle unterstützt. Das schöne ist doch, dass man sich selber entscheiden kann wie weit man den gesellschaftlichen Normen folgen will.

Ich für meinen Teil werde mir auch bei meiner nächsten Präsentation wieder Gedanken darüber machen, was ich anziehe.

Franziska Paul

Danke für dieses wunderbare Thema

In Zeiten von Corona haben viele von uns im Homeoffice gearbeitet und tun es noch.

Damit entfällt das Anziehen, um aus dem Haus zu gehen, es reicht ja durchaus eine bequeme Jeans oder so. Mit der Handlung bzw. Nichthandlung passiert aber auch etwas mit unserem Denken. Unser Gehirn bekommt die Botschaft nicht, dass wir jetzt auf die Arbeit gehen. Natürlich ist es nicht nur die Handlung des Anziehens sondern auch die gar nicht unerheblichen Kleinigkeiten, wie die Wahl des Arbeitsplatzes und Frühstücken "zu Hause".

Videokonferenz? Wie und wo sitzen Sie und warum? Was haben Sie an?

Wie sehen Sie das Thema? Was hat Authentizität damit zu tun?

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